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Auf dem Weg zum Selbst

Als Kind wolltest Du die Welt erleben,
wolltest Deine ganz eigenen Wege gehen.
Da Du - wie alle - keine Erfahrung hast
und nicht wusstest, was Du da so machst,
hat man Dir erklärt, wie das richtig geht.
Du hast gelernt, wie man in Gemeinschaft lebt.

Sie haben Dich dressiert und konditioniert.
Sie haben Dich abgeschliffen und uniformiert.
Sie haben Dich für die Gesellschaft funktionsfähig gemacht.
"Wie wehrst Du Dich dagegen?", hast Du vielleicht noch gedacht.

Doch über die Jahre hast Du Dich mehr und mehr tot gestellt,
hast Deine Wut verleugnet und die Anpassung gewählt.
So fällst Du nicht auf, bist in der grauen Masse,
immer schön harmonisch, dass Dich ja keiner hasse.

Mit der Zeit hast Du Dich dann selbst verloren.
Du fragst Dich nun: "Wurde ich jemals geboren?"

Du wachst aus Deinem Dornröschenschlaf auf
und hältst auf Deine Wunden den Finger drauf.
Du stellst Dich der Wut und auch diesem Schmerz,
und fast zerreisst es Dir Dein liebendes Herz.
Du erkennst, was Du in all den Jahren gelebt
und worum es dieser Gesellschaft wirklich geht.

Nun willst Du nicht mehr graue Masse sein.
Du passt in all diese Formen nicht mehr hinein.
Mühsam erkämpfst Du Dir eine neue Position
und gehst heraus aus Deiner traurigen Isolation.

Du stellst Dich in den Wind, zeigst Dein wahres Gesicht,
sagst was Du denkst und fühlst voller Zuversicht.
Was die anderen denken ist Dir nicht mehr wichtig.
Du stehst zu Dir selbst, das allein ist noch richtig.

Dazugehört hast Du all die Jahre schon nicht.
Wen interessiert es schon, wenn Du die Wahrheit sprichst?

Und doch könnte es sein, dass bald alles anders ist,
weil Du Dich veränderst, endlich Du selber bist!

© Cornelia G. Becker


Mit den Augen eines Kindes



Mit staunenden Augen bist Du ins Leben gekommen,
doch viel zu schnell hat man Dir Deine Träume genommen.

All Deine Abenteuerlust und Deine Kreativität
wichen einer traurigen und schmerzvollen Realität.

All Deine Liebe, Dein Vertrauen und Dein Licht
wichen dem Alltag - Du verlorst Dein Gesicht.

Dein Wille, Deine Stärke, Deine Entschlossenheit
wichen der gesellschaftlich notwendigen Alltäglichkeit.

Dein Mut, Deine Lust am Leben wurden konditioniert.
All das hat Dich fast zerstört und völlig desillusioniert.

Die Hoffnung ist Dir dennoch erhalten geblieben,
Hoffnung darauf, sie würden Dich irgendwann lieben.

Du verlierst Dich und flüchtest vor der Wirklichkeit,
flüchtest in irgendeine Sucht oder in die Einsamkeit.

Ziehst Dich immer weiter in Dich selber zurück
und träumst verzweifelt von Deinem Lebensglück.

Was haben sie wirklich erreicht in all diesen Jahren?
Haben sie Dich beschützt vor all diesen Gefahren?

Die Zeit heilt alle Wunden, hat mal einer erklärt,
und all die tiefen Narben in Stärke verkehrt.

Doch sie brennen sich auch heute noch tief in Deine Haut...
und eine Frage bleibt: "Warum hab ihr mich nicht geliebt und mir einfach vertraut?"

© Cornelia G. Becker


Ich bin...


Ich bin...

Ich bin nicht, was Du von mir denkst,
weil Du nicht meine Schritte lenkst.
Ich bin höchstens das, was ich glaube zu sein,
weil es authentisch ist und nicht nur Schein.

Ich nehm mir die Freiheit, morgen anders zu sein,
vielleicht in Gesellschaft - vielleicht auch allein.
In all diese Schubladen will ich jedenfalls nicht rein.
Ich bin eben ich - doch ich muss so nicht sein.

Jede Veränderung ist ein Geschenk für mich.
Sie bringt mich immer näher zu meinem Ich.
Ich sag Danke für jeden einzelnen Tag
und für jeden Menschen, der mich so mag.

© Cornelia G. Becker



Böser Geist



Böser Geist

Der Geist im Rücken spielt ein Spiel
Das mir nun gar nicht gut gefällt
Er glaubt er kommt dabei ans Ziel
Und meint er wär der große Held

Er zwickt mich hier und beißt mich dort
Er sticht mit Messern auf mich ein
Er zeigt mir einen schmerzhaften Ort
Und ist wieder einmal nur gemein

Was will er mir sagen dieser kleine Wicht?
Warum tut er mir das immer wieder an?
Kennt er meine Grenzen denn wirklich nicht?
Versteht er nicht, dass er mir wehtun kann?

Jetzt ist es wieder an mir Grenzen zu zeigen
Schmerzhaft zeigt mein Rücken einen Weg
Wenn auch manche Steine auf ihm bleiben
Mit ihnen bau ich mir jetzt einen neuen Steg


© Cornelia G. Becker